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Schwindel

Schwindel

Schwindelerscheinungen gehören wie Klagen über Kopf- und Rückenschmerzen und Ohrge-räusche (Tinnitus) zu den häufigen neurologischen Beschwerden, die Patienten in die nerven-fachärztliche Praxis führen.

Gerade die Diagnostik und Therapie von Schwindel erscheint ein Paradebeispiel für die Not-wendigkeit der Anwendung einer ganzheitlichen Medizin zu sein.

So kommen Schwindelerscheinungen sowohl bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems organischer wie auch psychologischer Natur vor; allerdings können auch erkrankte Strukturen des Gleichgewichtsorgans oder aber der inneren Organe Schwindel provozieren.

Im allgemein Umgangssprachlichem ist der Begriff Schwindel sehr weit verbreitet, so dass er oftmals nur als eine Art Hilfswort für ein allgemeines Unwohlsein, ein Unbehagen oder eine allgemein nicht näher fassbare Befindlichkeitsstörung dienen muss.

Schwindel im neurologischen Sinne jedoch meint eine Bewegungsillusion bzw. das gestörte Zusammenspiel der Systeme, die uns über unsere Position im Raum informieren.

Schwindel entsteht, wenn die Wahrnehmung der Körperposition seitens der verschiedenen beteiligten Orientierungssysteme (die Bewegungsmelder an den Muskeln, die Sinnesorgane im Innenohr, unser Kleinhirn) nicht übereinstimmen; es kommt dann zu einem Wahrneh-mungskonflikt. Wenn also z.B. unser Auge eine andere Kopfpositionsmeldung nach zentral abgibt, als etwas unser Innenohr, dann entsteht Schwindel als Störung der vom Gehirn koor-dinierten Raumorientierung.

An dem gleichgewichtserhaltenden Regulationssystemen sind der Vestibularapparat mit dem Labyrinth und dem Otolithenapparat sowie den Bogengängen, die sogenannte Vestibula-riskerne mit den auf- und absteigenden Bahnsystemen, große Reflexketten und viele zentrale Strukturen bis hin zum Hirnstamm und Kleinhirn beteiligt.

Je nachdem, an welchem anatomischen Ort die Ursache für die Entstehung eines Schwindel-gefühles zu suchen ist, handelt es sich um einen eher otogenen, d.h. auf Störungen des Innen-ohrs zurückzuführenden Schwindels oder aber um einen zentralen Schwindel.

Das Gleichgewichtsorgan kann peripher oder zentral beeinflusst sein im Sinne eines peripher-verstibulären oder zentral-vestibulären Schwindels. Es gibt aber auch nicht-vestibuläre Schwindelformen, die ihre Ursache im zentralen Nervensystem haben können. Darüber hin-aus unterscheiden wir eine große Gruppe der sog. psychogenen Schwindelarten.

Welche Schwindelformen unterscheiden wir?

Oftmals schildern die Patienten einen klassischen Drehschwindel, der mit der Illusion einher-geht, als ob sich die Umgebung um den Patienten drehe. Andere hingegen klagen über einen Schwankschwindel, der eine ungerichtete Unsicherheit, wie z.B. auf einem Schiff oder im Sinne eines Liftschwindels beschreibt.

Betroffene klagen über eine Form von Sekundenschwindel, eine Art Taumeligkeit oder Be-trunkenheitsgefühl, eine allgemeine Unsicherheit, eine Form von Benommenheit oder gar über einen Schwankschwindel mit Hinstürzen. Manchmal wird ihnen schwarz vor den Augen oder es flimmert vor den Augen. Sie sehen doppelt oder verschwommen, haben eine Leere im Kopf oder Torkeln, fühlen eine Schwäche in den Beinen oder aber das Herz fühlt sich in sei-nem Pulsschlag unregelmäßig an. Angstgefühle treten auf.

Andere Schwindelformen treten im zeitlichen und kausalem Zusammenhang mit bestimmten psychosozialen Stresssituationen auf. Im schlimmsten Falle jedoch, kann ein Schwindelsym-ptom auch ein alarmierendes Zeichen für eine schwerwiegende neurologische Erkrankung, wie etwa eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (z.B. bei Multipler Skle-rose) oder aber ein Anzeichen für einen Hirntumor sein. Auch drohende Schlaganfälle kündi-gen sich manchmal mit Schwindelsymptomen an.

Allein aus dieser Schilderung lässt sich leicht erkennen, dass eine solide schulmedizinische, neurologische, klinische und elektrophysiologische Funktionsdiagnostik dringend erforderlich ist, um bestimmte organische Ursachen für ein Schwindelsymptom auszuschließen. Notwen-dig sind eine neurologische Befragung und intensive neurologische Untersuchung mit schwindelspezifischen Untersuchungstechniken, ein EEG, die Untersuchung der Hirndurch-blutungsverhältnisse mit Hilfe der Doppler-Sonographie und die evozierten Potenziale.

Findet sich erfreulicherweise kein Hinweis für eine schwerwiegende organische Erkrankung, dann gibt es eine Fülle von funktionellen Schwindelformen, die mit Hilfe von physiotherapeu-tischen, naturheilkundlichen und traditionell chinesischen Behandlungstechniken geheilt wer-den können. Hier helfen dann oft pflanzliche Präparate, physikalische therapeutische Maß-nahmen, Akupunktur und traditionell chinesische Kräuterrezepte sowie phytotherapeutische Infusionen.

Betrachten wir einige der harmloseren Schwindelformen wie z.B. den sog. Beningnen-paroxysmalen Lagerungsschwindel.


1. Peripherer paroxysmaler Lagerungsschwindel

Die häufigste, intensivste, gleichzeitig aber auch am Besten behandelbare Schwindelform, ist der periphere paroxysmale Lagerungsschwindel, ausgelöst durch bewegliche Gewebeteilchen im hinteren Bogengang des Gleichgewichtsorgans.

Peripher bedeutet, dass dieser Schwindel im Innenohr und nicht im Gehirn entsteht. Paroxys-mal bedeutet, dass er attackenartig und zwar meistens bei Lagerungsänderung des Kopfes auftritt. Gleichzeitig mit diesem Lagerungsschwindel lassen sich sehr charakteristische Au-genbewegungen, sog. Nystagmen nachweisen, die sich in recht charakteristischer Weise vom erfahrenen Neurologen untersuchen lassen. Der Untersucher kann bestimmte Lagerungsma-növer durchführen, um diese Schwindelattacken auszulösen und anhand der Frenzelbrillenuntersuchung dann diese pathologischen Nystagmusbewegungen der Augen nachweisen, die gleichzeitig zur Stellung der Diagnose dienen.

Der paroxysmale periphere Lagerungsschwindel ist sehr harmlos. Ursache des peripheren paroxysmalem Lagerungsschwindels sind bewegliche freie Gewebeteilchen im Bogengang, die sich immer an der tiefsten Stelle ansammeln. Wird nun der Bogengang im Rahmen einer Kopfbewegung verdreht, rutschen diese Gewebeteilchen automatisch nach der Kopfbewegung wieder an die jetzt tiefste Stelle. Es kommt also zu einer Cupulaauslenkung (Messfühler der in den Bogengängen enthalten ist), die den intensiven Drehschwindel bewirkt. Aus diesem ana-tomischen Hintergrundwissen heraus, lassen sich alle weiteren Merkmale des peripheren par-oxysmalen Lagerungsschwindels erklären.

Das Behandlungsprinzip ist einfach. Die kleine Gewebeteilchen, die die Bogengänge versper-ren müssen eliminiert werden. Dies geschieht durch das sog. paroxysmale Lagerungstraining, das der Patient in der Praxis erklärt bekommt.

In meiner nervenfachärztlichen Praxis kombiniere ich diese Behandlung gern zur Erleichte-rung und Behandlung einer allgemeinen Übelkeit mit Traditionell Chinesischer Medizin, vor-rangig mit einer Kräuterbehandlung und Akupunkturen.

2. Morbus Menière

Beim Morbus Menière treten gleichzeitig anfallsartig Schwindel, Tinnitus und Hörverlust auf.

Der Drehschwindelanfall tritt ohne Vorankündigung aus vollem Wohlbefinden heraus auf und dauert Minuten bis Stunden. Er kann sich in wenigen Tagen, Wochen oder Monaten wieder-holen. Das Ohrgeräusch oder Tinnitus, meist in Form eines einseitigen Sausens, erreicht sein Maximum während des Anfalls und fehlt im anfallsfreien Intervall oder hält mit geringer In-tensität an.

Zum Hörverlust:

Nach den ersten Anfällen erholt sich das Hörvermögen nahezu vollständig, später bleiben Hörverluste zurück. Zu Beginn der Erkrankung ist vorwiegend der Basstonbereich betroffen. Im fortgeschrittenem Stadium kann der Hörschaden von Anfall zu Anfall zunehmen und sich im gesamten Frequenzbereich ausbreiten. Begleitsymptome während des Anfalles sind der Zusammenbruch der vestibulo spinalen Regelmechanismen wie die Steh- und Gehfähigkeit. Zudem fühlen die Patienten eine Übelkeit, müssen erbrechen, haben Schweißausbrüche, Äng-ste und fühlen sich im Raum desorientiert.

Eine Morbus Menière-Erkrankung sollte immer in Kooperation mit einem HNO-Arzt behan-delt werden.

3. Schwindelformen, deren Ursachen im zentralen Nervensystem liegen

Zentral-verstibuläre Schwindelerkrankungen entstehen durch Durchblutungsstörungen, wie Verengungen bestimmter hirnversorgender Blutgefäße, Hirnblutungen, Hirntumoren, Entzün-dungsherde im zentralen Nervensystem (wie z.B. bei Multipler Sklerose) oder aber durch an-geborene Missbildungen der Hirn- und Hirnnervenstrukturen, die an der Weiterleitung der Bewegungsinformation zum Gehirn oder ihrer Verarbeitung beteiligt sind.

Grundsätzlich ist es - wie schon erwähnt - von großer Bedeutung , dass der Erstuntersucher beim Auftreten bzw. Neuauftreten einer Schwindelerkrankung stets auch an die Möglichkeit einer solchen zentral-vestibulären Ursache denkt und die zu ihrer Aufdeckung notwendige Diagnostik veranlasst und einleitet (s.o.).

Es gibt einige zentral-vestibuläre Schwindelerkrankungen, die nach ihrer Diagnosestellung trotz ihrer Pathogenese im zentralen Nervensystem gut und konsequent behandelt werden können. Hierzu zählen bestimmt Formen von

- Epilepsie,
- die Basilarismigräne
- eine episodische Ataxie,
- flüchtige Durchblutungsstörungen, die dann nach Einhaltung entsprechender prophylaktischer und therapeutischer Maßnahmen gut behandelbar sind (siehe Durchblutungsstörungen).

Insbesondere in der Behandlung der Basilarismigräne hat die Traditionell Chinesische Medi-zin einen enormen Stellenwert. Auch den psychotherapeutischen Techniken kommt eine gro-ße Bedeutung zu.

4. Psychogene Schwindelformen

Schwindel kann auch ein Ausdruck von psychischen Beeinträchtigungen oder Leiden sein.

Seelische Erkrankungen, wie funktionelle-neurotisch-reaktive Störungen, Suchterkrankungen, Psychosen, hirnorganische Erkrankungen können auch mit Schwindel einhergehen.

Darüber hinaus kann Schwindel ein Symptom von Depressionen, Angststörungen, Furchter-krankungen (phobischen Störungen), Zwangsstörungen, Essstörungen und somatoformen Stö-rungen sein.

Wenn uns schwindelig ist, dann schwankt uns der Boden unter den Füßen oder es zieht uns den Boden unter den Füßen weg. Das körperliche Symptom des Schwindels bekommt eine Art Ausdruckscharakter.

Von einem psychogenen Schwindel allerdings sollte erst dann gesprochen werden, wenn eine gründliche schulmedizinische Diagnostik erfolgt ist.

Die Therapie sollte dann auf naturheilkundlicher, psychotherapeutischer und traditionell chi-nesischer Basis erfolgen.






       



 


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