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Traditionell chinesische Arzneimittel
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Die traditionelle chinesische Arzneimitteltherapie stellt eine der Grundsäulen der chinesischen Therapiemöglichkeiten neben Qi Gong, Tuina, Akupunktur und chinesischer Diätetik dar.
In Europa ist sie noch weitgehend unbekannt, während sie in China ungefähr 80% aller therapeutischen Maßnahmen ausmacht.
Im wesentlichen handelt es sich um pflanzliche Produkte. Letztendlich können alle Bestandteile einer Pflanze für eine chinesische Rezeptur verwendet werden.
Im Folgenden seien die Begrifflichkeiten, wie sie oftmals auf chinesischen Rezepten stehen, kurz benannt. Es handelt sich um die einzelnen Bestandteile einer Pflanze:
Herba (Kraut),
Radix (Wurzel),
Rhizoma (Wurzelstock),
Ramus (Zweig),
Ramulus (Zweiglein),
Semen (Samen),
Cortex (Rinde),
Flos (Blüte),
Fruktus (Frucht).
Eine zweite grosse Gruppe in der chinesischen Arzneimitteltherapie stellt die der mineralischen Substanzen dar. Dabei handelt es sich z. B. um Austernmuschelschalen, Mineralien, Gips etc.
Die dritte Gruppe der chinesischen Arzneimittel stellen tierische Arzneien dar, die oftmals in Europa, angesichts des Schutzes von bedrohten Tierarten, glücklicherweise nicht zur Anwendung kommen.
Historisches zur chinesischen Arzneimitteltherapie:
Erste Textbücher zu den chinesischen Arzneimitteln mit Beschreibung einzelner Heildrogen gehen ungefähr auf das 2.Jh. v.Chr. zurück. Die älteste wissenschaftliche Quelle, die bereits eine sehr differenzierte Darstellung von Arzneimitteln erhält, ist das Werk "Wu Shi Er Bingefang" aus dem 2. Jh. v.Chr.
Im 1. Jh. n.Chr. hat der chinesische Arzt Shen Nong den Klassiker der Arzneikunde des Shen Nong verfasst. Dieses Werk gilt als Grundstein aller danach zusammen gestellten Marteriae medicae.
Eine sehr wesentliche Rezepturensammlung, in der sich das gesammelte Wissen vieler vorangegangener Jahrhunderte vereint, stellt das Shang Han Lun (übersetzt "über Kälte indizierte Erkrankungen"). Dieses Werk wurde im 2. Jh. n. Chr. von Zhang Zhong-Jing verfasst und enthält 100 Rezepturen. Der Autor Zhang Zhong-Jing gilt als erster Rezeptbuch-Autor und verwendet das so gen. 6-Schichten-Modell.
Während der Tang-Dynastie von 618 - 907 n. Chr. und der Song-Zeit von 960 - 1279 n.Chr. wurde die Gesundheitspolitik in China staatlich gefördert, so dass eine Fülle von grossen Arznei- und Rezeptur-Büchern entstehen konnten.
Im 8. Jh. n. Chr. verfasste Wang Dao das Werk "Waitai Biyao" (auf deutsch "Unentbehrliches von der äußeren Terrasse"), das eine damalige Gesamtübersicht über die damalige Rezeptkunde bot. Im Jahre 992 entstand ein noch umfassenderes Werk von Wang Huai Yin mit dem Namen "Taiping Sheng Hui Fang" oder aber "Rezepte der kaiserlichen Güte aus der Taiping-Zeit".
Hier waren 16.834 Hausmittel und mündlich überlieferte Rezepte der damaligen Zeit zusammen gefasst.
Auf eine weitere detaillierte historische Entwicklung der chinesischen Arzneimittellehre verzichte ich hier und nehme lediglich noch auf das Jahr 1117 Bezug, in der die kaiserliche medizinische Akademie das "Gesamtverzeichnis der Hilfestellung"
herausgab. Hier wurde das gesamte damals bekannte Wissen zusammen gefasst. Dieses Werk erhielt ungefähr 20.000 Rezepturen.
Die chinesische Rezeptur
In einer chinesischen Rezeptur werden verschiedene Einzelkräuter (und davon sind in China ungefähr 5.000 bekannt) in genau abgestimmtem Verhältnis miteinander vermischt.
Die Rezeptur folgt einem hierarchischen Aufbau, so dass es immer ein Arzneimittel gibt, das als Kaiser oder als dominantes oder als wichtigstes gilt und von jeweiligen Ministern in seiner Wirkung unterstützt wird.
Darüberhinaus besteht ein Rezept noch aus Hilfs.- und Melde-Arzneien.
Die Komposition einer chinesischen Rezeptur ist ein individuelles Geschehen, das auf den individuellen energetischen Zustand, d. h. die individuelle traditionelle chinesische Diagnose des einzelnen Individuums, zugeschliffen ist.
Die Kunst des chinesischen Rezeptierens besteht darin, die klassischen Rezepte für den jeweiligen Patienten und seine chinesische Diagnose so zu modifizieren, dass genau seine Symptome bei seinen Resourcen, seiner Körperabwehr und seiner Allgemeinverfassung ihre optimale Wirkung entfalten können.
Das Erstellen einer Rezeptur erfordert eine hohe Fachkunde sowohl der einzelnen Arnzeimittel wie auch der traditionell chinesischen Rezepturlehre.
Oftmals entwickelt eine Pflanzrezeptur Wirkungsweisen, die man nicht nur auf eine bloße Summation der Wirkweisen der Einzelbestandteile des Rezeptes zurückführen kann.
In einem ausgewogenen chinesischen Rezept wirken die positiven Aspekte der einzelnen Arzneimittel gegenseitig so verstärkt, dass ein optimaler Nutzen für den Patienten entsteht. Durch eine richtige Kombination der Kräuter können auch hemmende Wirkungen auf andere ausgenutzt werden, um in Teilaspekten unerwünschte Nebenwirkungen
gering zu halten.
In einer wirklich guten chinesischen Rezeptur werden die Einzelkräuter so kombiniert, dass sich erwünschte Effekte mit großem Erfolg gegenseitig verstärken, während unerwünschte Nebenwirkungen wechselseitig unterdrückt werden.
Der Anfänger, der traditionelle chinesische Heilkunde betreibt, sollte sich zunächst auf die Anwendung unveränderter Originalrezepte beschränken. Erst nach einem vieljährigen umfassenden Studium der traditionellen chinesichen Arzneimittel kann ein chinesisch tätiger Arzt in die Lage versetzt sein, individuelle Rezepturen zu komponieren. Hierzu bietet die Internationale Gesellschaft für Tradionelle Chinesische Medizin in Deutschland ein einmaliges Studium an.
Von unbedingter Wichtigkeit ist die Tatsache, dass der Patient während der Einnahme der chinesischen Arzneimittel Kontakt zu seinem Therapeuten hält.
Die chinesische Arzneimittelrezeptur wurde für den Zustand des Patienten im Hicet nuno (also im Hier und Jetzt) erstellt.
Sollte sich das Beschwerdebild des Patienten während der Einnahmetage verändern oder neue Symptome hinzu kommen, erfordert dies eine Neukomposition des Rezeptes und die Kräutermischung muss ergänzt oder bzw. neu abgestimmt werden.
Bei Auftreten eines grippalen Infektes, der z. B. einer Wind-Hitze- oder einer Wind-Kälte-Erkrankung entsprechen kann, sollte die Rezeptur abgesetzt werden. Sonst kann es sogar zu unangenehmen Verschlimmerungen kommen.
Darreichungsformen chinesischer Arzneimittel
1. Das Dekokt oder Tang:
Das Dekokt gilt als die Hauptanwendungsform chinesischer Arzneimittel.
Die Kräuter werden im Original verwendet und in einem bestimmten Procedere abgekocht.
Es versteht sich von allein, dass lang zu kochende Arzneimittel zuerst, am kürzesten zu kochende Arzneimittel, wie die Blüten, zuletzt zum kochenden Sud hinzu gegeben werden.
Ein besonderer Vorteil des Granulates oder Pulvers - San - ist die einfache Handhabung für den Patienten, vor allem für Patienten, die einem häufigen Ortswechel ausgesetzt sind.
Die Praktikabilität ist einfach: Ein kleines Löffelchen voller Granulat wird mit heißem Wasser übergossen und als "Tee" getrunken.
Weitere Applikationsformen sind die Pille "Wan" und der Arzneitrunk bzw. die Tropfen.
Um kostengünstig zu arbeiten und die Handhabbarkeit bzw. Integrationsmöglichkeit in den Alltag zu gewähren, bin ich dazu über gegangen, Granulate zu verordnen und bevorzuge selbst die Granulate.
Acht therapeutische Verfahren
Der gesamte Arzneimittelschatz wurde im alten China nach den arzttherapeutischen Verfahren geordnet.
Dies stellt eine sinnvolle Fortsetzung der bekannten "Acht Leitkriterien" (Bang) dar, die in der chinesischen Diagnostik eine große Rolle spielen.
Prozesse wie Kühlung oder Erwärmung, energetische Ergänzung oder Ableitung von Energie, ein Einwirken auf die Oberfläche oder das Erzielen von Schweiß und ähnliches, sind von Bedeutung.
Im Folgenden seien die acht therapeutischen Verfahren zusamengefasst.
1. Sudatio (die Empfehlung von Schweiß
2. Vomitio expectoratio - das "therapeutische Auswerfen"
3. Purgatio (Abführen)
4. Compositio (Harmonisierung)
5. Tepefactio (die vorsichtige Erwärmung)
6. Refregeratio (die Kühlung)
7. Supletio (die energetische Ergänzung)
8. Dispulsio (die Ableitung von Energie)
Qualifikation von chinesischen Arzneimitteln:
Die chinesischen Arzneimittel werden nach 4 Grundeigenschaften qualifiziert:
1. Ihr Temperaturverhalten
2. Hauptgeschmacksrichtung
3. Funktionskreisbezug
4. Wirkrichtung
1. Das Temperaturverhalten:
Das Temperaturverhalten eines chinesischen Arzneimittels beschreibt seine wärmende oder kühlende Eigenschaft und nimmt Bezug zu seiner Dynamik. Die einzelnen Temperaturqualitäten lassen sich auf einer Achse darstellen, die von sehr kalt - über kalt -
über kühl - über neutral - über warm - bis über heiß, eingeteilt werden kann.
2. Die Geschmackrichtung:
Als 2. Eigenschaft ist jedem chinesischem Arzneimittel eine bestimmte Geschmacksrichtung eigen.
Damit ist nicht nur die rein sinnliche Erfahrung unseres oralen Aufnehmens gemeint, sondern mit den Geschmacksrichtungen Scharfes, Süßes, Saures, Bitteres und Salziges lassen sich eindeutige Bezüge zu den 5 Wandlungsphasen darstellen.
Wandlungsphase Lunge entspricht Metall entspricht scharfer Geschmacksrichtung.
Wandlungsphase Milz entspricht Element Erde entspricht süßer Geschmacksrichtung.
Wandlungsphase Leber entspricht Element Holz entspricht saurer Geschmacksrichtung.
Wandlungsphase Herz entspricht Element Feuer entspricht bitterer Geschmacksrichtung .
Wandlungsphase Niere entspricht Element Wasser entspricht salziger Geschmacksrichtung.
Welch enorme Bedeutung diesen Geschmacksrichtungen und Temperatureigenschaften der chinesischen Arzneimittel zukommt wird anhand des Kapitels "Erkältungen" dargestellt.
Auch in unserem Alltag nehmen wir Scharfes als etwas wahr, was die Schweiße nach außen treibt, aktive Energie entfaltet und uns nach außen öffnet.
Das öffnende der Oberfläche entspricht der Wirkung des Scharfem im Funktionsbereich Lunge.
Süße Speisen hingegen wirken ausgleichend und harmonisierend, nicht umsonst werden oftmals schreiende kleine Kinder mit Süßem abgespeist.
Das Saure zieht zusammen. Das zusammenziehende hat einen eindeutigen Bezug zum Funktionsbereich der Leber, das kennen wir aus unserem Alltag: wer schon einmal eine Nacht "durchzecht" hat, freut sich am Morgen über etwas Saures, denn das Saure führt zu
einer Sammlung und Stärkung im Bereich des Funktionsbereiches Leber.
Bitteres wirkt trocknend, Salziges erweicht.
Das Salzige wirkt im Gegensatz zu dem am meisten nach außen wirkenden Scharfen am meisten im Inneren. Entsprechend können sämtliche Geschmacksrichtungen ebenfalls auf einer Achse angebracht werden, wobei dann die Wirkrichtung von innen nach
außen angegeben ist.
Im Folgenden werden einzelne chinesische Arzneimittel in Bild und Text vorgestellt...
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