Dr. med. Angela Stahl - Praxis für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie Akkupunktur undTraditionelle Chinesiche Medizin (TCM) in Norderstedt bei Hamburg

Glossar

Schlaganfall - Managed Care

Therapienetzwerk „Schlaganfall“ – Managed Care


Qualitätsmanagement - Merkmale einer soliden neurologischen Behandlung

Allgemeine Vorbemerkungen

Als Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie, aber auch als ernährungsmedizinisch, naturheilkundlich und psychotherapeutisch tätige Ärztin sehe ich in der ganzheitlichen und individuell abgestimmten Behandlung eines individuellen Patienten einen entscheidenden Aspekt.

Eine solide schulmedizinische Diagnostik und Therapie ist unabdingbar. Allerdings sind die Grenzen der westlichen Schulmedizin offenbar:

Oftmals interessiert nur der Befund des Patienten und weniger sein Befinden.

Klinische Befunde, die sich apparativ in kernspintomographischen Bildern darstellen lassen, bestätigen das schulmedizinische Denken. Psychovegetative Symptome, Schwitzstörungen, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Beeinträchtigungen der vegetativen Grundfunktionen allerdings werden oftmals als Pseudobeschwerden oder psychovegetative Fehlsteuerung etikettiert. Der Patient wird mit dem Satz: „Damit müssen Sie wohl leben.“ abgespeist.

Insbesondere der Schlaganfallpatient allerdings erleidet auch eine Fülle von psychosomatischen und vegetativen Beeinträchtigungen, die einer umfassenden ganzheitlichen Therapie bedürfen. Hier setzen insbesondere die Möglichkeiten der westlichen Naturheilverfahren und der traditionell chinesischen Medizin an.

Zunächst noch einmal zur Grundfrage zurück:

Worauf beruht eine ganzheitliche Therapie?

Ganz einfach gesagt, bestehen wir aus einem menschlichen Körper mit Fleisch und Blut sowie einer Seele und wir haben eine Energetik, einen Geist. Eine ganzheitliche medizinische Betrachtungsweise sollte immer alle drei Komponenten mit einbezie-hen, so wie es sich in dem Praxis-Logo der Nervenarztpraxis Stahl in Form des gleichschenkligen Dreiecks darstellt.

Zum Verständnis der Ganzheitlichkeit eines Menschen gehört eben auch das Verständnis der Interaktion zwischen Körper, Geist und Seele.

Praktisch ist so ein Modell am Patienten wie folgt realisierbar:

Selbstverständlich ist eine solide schulmedizinische, in diesem Fall neurologisch-klinische Diagnostik dringend erforderlich. Auch sollte eine bildgebende Diagnostik erfolgen, um entsprechende Infarktareale darzustellen, die Form des Infarktes zu beschreiben und somit eine Aussage über seine Pathogenese zu bekommen (Territorialinfarkt, Versus-Grenzzoneninfarkt, versus/multiple signalintense Zonen). Dies ist insbesondere deshalb so wichtig, da die Pathogenese des Schlaganfalls sich in sei-ner Form darstellt und ein keilförmiger Territorialinfarkt eben oftmals eine Embolie als Ursache hat und der Patient einer soliden kardiologischen Diagnostik überführt wer-den muss, um z.B. marcumarisiert zu werden. Ein Grenzzoneninfarkt hindessen ist oftmals Folge einer Carotisstenose und bedarf einer ganz anderen weiterführenden Diagnostik und Therapie.

Unabhängig davon sind elektrophysiologische Messungen, wie evozierte Potentiale, Nervenleitgeschwindigkeitsbestimmungen, das EEG und die Untersuchung der Durchblutungsverhältnisse unabdingbar. Eine neurologische Differentialdiagnostik sowie das Feststellen von neurologischen Begleiterkrankungen sind wichtig, da die Patienten oftmals zusätzlich zum Schlaganfall unter einer Polyneuropathie, einer Demenz, einem Parkinson-Syndrom oder anderen chronisch-neurologischen Krankheiten leiden.

Dies ist sehr wichtig für die Lagerung des Patienten, da ohnehin vorgeschädigte Nerven bei chronisch immobilen Patienten leichter geschädigt werden, als gesunde Nerven.

Als zweiter wichtiger Grundbaustein der schulmedizinischen Diagnostik gilt eine umfassende Labordiagnostik (s. 3. Laborchemisches). Es müssen Risikofaktoren abge-arbeitet werden, damit diese gezielt einer schulmedizinischen Therapie, aber auch orthomolekularen Substitution zugeführt werden können. Hier setzen auch die Möglichkeiten der modernen Ernährungsmedizin an.

Ein umfassendes medizinisches Verständnis von einem menschlichen Krankheitssymptom bietet uns zusätzlich die traditionell chinesische Betrachtungsweise. Hierzu ist zu sagen, dass in Westeuropa damit oftmals nur die Akupunktur gemeint ist. Die traditionell chinesische Medizin allerdings beinhaltet mehrere wesentliche Behandlungssäulen, so vor allem die Therapie mit traditionellen chinesischen Arzneimitteln, wie vor allem den Kräutern. Die Akupunktur stellt nur einen kleinen Teil der traditionell chinesischen Behandlung dar.

Vor jeder traditionell chinesischen Behandlung sollte der Patient gründlich nach den Kriterien der traditionell chinesischen Medizin untersucht und diagnostiziert werden. Das Stellen einer soliden chinesischen Diagnose entsprechend den fünf Wandlungsphasen und dem allgemeinen chinesischen Krankheitsverständnis ist unabdingbar.

Oftmals lassen sich viele Symptome eines Patienten, der in der westlichen Medizin mehrerer Fachärzte bedarf, traditionell chinesisch in einen großen Gesamtzusammenhang stellen (s. 6. Traditionell Chinesisches).

Schlaganfallpatienten erleiden oftmals depressive Anpassungsstörungen. Ein Schlaganfall ist ein Schlag auch in das Leben des Patienten. Unvorhergesehen muss er seine Lebensweise den nunmehr limitierenden Bedingungen einer Behinderung anpassen.

Viele Patienten verarbeiten ihre Gesundheitseinbußen depressiv. Aus diesem Grund ist immer auch eine psychiatrische Diagnostik und Therapie erforderlich. Manchmal bedarf es einer adjuvanten medikamentösen Therapie. Viele Patienten profitieren zusätzlich auch von einer psychotherapeutischen Behandlung.


Qualitätskriterien für eine ganzheitliche ärztliche Therapie

1. Neurologisches
Unabdingbar auf neurologischem Gebiet sind folgende Untersuchungen:

Neurologische Untersuchung

Hierzu gehören die detaillierte Untersuchung der Hirnnerven, der zentralen Motorik, des Reflex-Befundes, der Oberflächensensibilität und der Tiefen-sensibilität, der koordination im Liegen und im Stehen, sowie neuro-psychologische Untersuchungen.

Prüfung der Kopf- und Hirnnerven
Prüfung auf Klopfschmerz der Kalotte.
Prüfung auf meningeale Reizzeichen
Prüfung der Nervenaustrittspunkte
Prüfung auf Lidspalten-Differenz

Untersuchung der Hirnnerven

1. N. olfactorius:
Prüfung auf Wahrnehmung und Differenzierung aromatischer Stoffe

2. N. opticus:
Prüfung des Visus
Gesichtsfelduntersuchung mittels Fingerperimetrie

3. Occulomotorius:
Prüfung der Occulo-pupillo-Motorik

4. N. abducens
Prüfung auf Doppelbilder

5. Trigeminus:
Prüfung der Sensitivität in allen drei Trigeminusästen, Cornealreflex

6. Trochlearis:
Prüfung auf Doppelbilder

7. N. facialis:
Facialisprüfung der mimischen Muskeln
mimischen Innervation unauffällig.

8. Status accusticus:
Prüfung des Hörvermögens

9. N. glosso pharyngius:
Prüfung der Innervation des Gaumensegels

10. N. vagus
Prüfung des Würgereflexes

11. N. accesorius:
Prüfung des Sternocleidomastoideusmuskulatur und des Trapezius.

12. N. hypoglossus:
Prüfung der Zunge (Herrausstrecken) und Frage nach Hypoglossusparese

Motorik:
Vorhalteversuche der Arme und Beine – Prüfung auf Pronationstendenz

Sensibilität:
Prüfung der Oberflächen- und Tiefensensibilität
Prüfung von Ästhesie und Algesie
Prüfung des Lagesinns, des Vibrations- und Temperaturempfinden

Koordination:
Stehversuche
Romberg und Unterberg`scher Tretversuch
Finger-Nase-Versuch
Knie-Hacke-Versuch
Prüfung auf Eudiadochokinese

Reflexe:
Prüfung von
- BSR
- RPR
- PSR
- ASR
- Babinski
- Bauchhautreflexe

Neuropsychologische Testungen
Wertvolle Details aus der Praxis der klinisch-neurologischen Untersuchungen mit Analyse häufiger Fehlerquellen.

Ein Schlaganfall bedeutet nicht nur, an einer Halbseitenlähmung und an ei-ner Sprachstörung zu leiden. Es gibt auch eine Fülle von verborgenen neu-rologischen Symptomen, die nur bei einer detaillierten neurologischen Un-tersuchung festgestellt werden können. Im Hirnnervenbereich zählt hier ins-besondere die Untersuchung des Gesichtsfeldes mit der Fingerperimetrie dazu. Patienten mit Schlaganfällen im Media-Gebiet an der Grenze zur Posterior leiden oftmals unter einer sogenannten Hemianopsie (halbseitiger Gesichtsverlust).

Bei der Untersuchung der Paresen sollte sich der Untersucher nicht nur darauf beschränken, die Arm- und Beinvorhalteversuche auszuführen. Latente Paresen lassen sich erst durch eine feingliederige neurologische Untersu-chung herausarbeiten. Hierbei ist es sinnvoll, dass der Untersucher/die Un-tersucherin die eigene Körperkraft bzw. das eigene Körpergewicht einsetzt, um objektive Befunde zu erhalten und den Patienten mit dem entsprechenden Arm oder dem entsprechendem Bein gegenstemmen lässt.

Bei der Untersuchung der Feinmotorik sollte sich der untersuchende Neuro-loge nicht nur auf die Untersuchung des Finger-Nase-Versuchs beschrän-ken. Auch die detaillierte Analyse der Augenbewegungen, insbesondere das rasche Hin-und-Herbewegen in der horizontalen und in der vertikalen Ebene lassen oftmals die Diagnose von Blickrichtungssakkaden oder einem Blick¬richtungsnystagmus zu. Diese Symptome gehören im weiteren Sinne zum Syndromkomplex der ataktischen Störungen.

Die Prüfung auf eine Eudiadochokinese ist ebenfalls wichtig. Hierbei muss der Patient rasche gegenläufige Bewegungen, wie rasches Supinieren und Pronieren beider Hände, den Baranyschen Zeigeversuch oder Klavierspiel-bewegungen durchführen.

Die Prüfung auf ataktische Störungen im Gehen sollte sehr aufmerksam durchgeführt werden. Bei leichteren ataktischen Störungen vermögen die Patienten bei der Romberg-Untersuchung ihre Defizite auszugleichen, indem sie die Füße nicht gestreckt nebeneinander und sich gegenseitig berührend, sondern in einem virtuellen Dreieck aufstellen. Leichtere Unsicherheiten können so ausbalanciert werden. Bei der Untersuchung sollte also darauf geachtet werden, dass sich beide Füße am Innenrand komplett berühren.

Beim Unterberg’schen Tretversuch sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass keine akustischen Signale im Raum sind, sonst kann der Patient über das Richtungshören orten, wo er steht und eine mögliche Abweichung nach einer Seite ausgleichen über den akustischen Kanal.

Beim Seiltänzergang sollte der Patient mit den Armen nicht zusätzlich balan-cieren, sondern die Arme auf dem Rücken verschränken.

Die Prüfung der Sensibilität schließt nicht nur die Oberflächensensibilität mit der Prüfung der Ästhesie und Algesie mit ein, sondern auch die Prüfung der Tiefensensibilität. So lassen sich Thalamus-Infarkte sich herausarbeiten. Das bedeutet, dass der Patient auf Lageempfinden, Pallästhesie und epikritische Sensibilität geprüft werden muss.

Seltenere Schlaganfälle, wie z.B. das Wallenberg-Syndrom beinhalten immer auch gekreuzte neurologische Symptome. Diese Qualitäten betreffen vor allem das Schmerz- und das Temperaturempfinden. Eine Prüfung auf Schmerz und Temperatur sollte also immer sowohl im Hirnnervenbereich als auch im Körperbereich erfolgen.

Es sollten neuro-psychologische Untersuchungen durchgeführt werden, um neuro-psychologische Ausfälle zu diagnostizieren. Hierzu gehören:

1. Aphasie-Diagnostik
2. Prüfung auf Lesen und Schreiben Können
3. Prüfung auf räumlich-konstruktive Apraxie
4. Prüfung auf Apraxie

Zusätzliche apparative neurologische Untersuchungen:

1. EEG – damit können Herdbefunde, Allgemeinveränderungen oder eine epileptische Anfallsbereitschaft herausgearbeitet werden.

2. Dopplersonographie – direktionelle/transcranielle Dopplersonographie zu Feststellung von Stenosen

3. Evozierte_Potentiale – Hierzu zählen:
1. Visuell evozierte Potentiale
2. Akustisch evozierte Potentiale
3. Somato sensibel evozierte Potentiale vom N. medianus
4. Somato sensibel evozierte Potentiale vom N. tibialis

Im Einzelfall kann es auch sinnvoll sein, die peripheren neurographischen Untersuchungen durchzuführen; immer dann, wenn klinisch zusätzlich ein polyneuropathisches Syndrom diagnostiziert wurde.

2. Psychiatrisches
Schlaganfallpatienten leiden oftmals unter einer depressiven Anpassungsstö-rung. Oftmals sind der Antrieb sehr herabgesetzt und die Stimmung weinerlich. Eine adjuvante psycho-pharmakologische Therapie mit einem SSRI oder auch mit Monoaminooxedase-Hemmern, wie z.B. Moclobemid, haben sich in der Praxis immer wieder als sehr sinnvoll erwiesen, um auch über eine psychiatri-sche Co-Medikation eine Antriebserleichterung und -verbesserung zu errei-chen.

Zur psychiatrischen Diagnostik sollte die Durchführung einer Hamilton-Depressionsskala zählen. Fremdanamnestisch sollte (dies gilt insbesondere bei aphasischen Patienten) auch der Frage nachgegangen werden, wo früher die Res-sourcen des Patienten lagen. Welchen Hobbys war er nachgegangen? Welche Beschäftigungen hat er sehr geliebt? Gibt es Musik, die ihn sehr inspirierte? Alle Maßnahmen, die ressourcenorientiert die Ich-Struktur des Patienten stärken, sollten dann zur Anwendung kommen.

3. Laborchemisches
Hier gibt es einige besondere Anmerkungen zu machen:

Die Ausmerzung von Risikofaktoren im Vorfeld sollte langfristig Ziel einer mo-dernen schulmedizinischen und auch naturheilkundlichen Präventionsstrategie sein. Hierzu gehört eine detaillierte Familienanamnese. Oftmals kommt es vor, dass schon der Vater und der Großvater (Mutter oder Großmutter), Geschwister der Großeltern oder der Eltern an Schlaganfällen oder Herzinfarkten litten. Eine große Blutgerinnungsanalyse ist unabdingbar. In der Praxis wird diese in der Regel nicht bestimmt. Selbst große Krankenhäuser bestimmen den großen Blutgerinnungsstatus nicht. Es gibt aber eine Reihe von pathologischen Blutge-rinnungsfaktoren, die vererbt werden, wodurch die Erbanlage für Durchblu-tungsstörungen weitergegeben wird.

Hierzu zählt insbesondere die so genannte Faktor-V-Leiden-Mutation. Bei der Faktor-V-Leiden-Mutation handelt es sich um einen genetisch bedingten Struk-turdefekt. Dieser Defekt verändert den Blutgerinnungsfaktor V. Leiden steht für die niederländische Stadt Leiden, in der die Erstbeschreibung der Mutation ge-lang. Dieser genetisch bedingte Strukturdefekt führt zu einer Blutgerinnungsstö-rung, die durch ein erhöhtes Vorkommen von Thrombosen charakterisiert ist. Diese Blutgerinnungsstörung heißt APC-Resistenz. Sie bezeichnet die Wider-standsfähigkeit des aktivierten Faktors V, der Gerinnungskaskade gegenüber aktiviertem Protein C.

Dieses Protein C übernimmt in der Gerinnungskaskade eine wichtige Aufgabe. Gemeinsam mit dem Co-Faktor-Protein F verhindert es eine überschießende Gerinnungsreaktion.

Durch die oben erwähnte Mutation in der Andockstelle des aktivierten Proteins C wird der aktivierte Gerinnungsfaktor V deutlich schlechter abgebaut, so dass eine erhöhte Thromboseneigung entsteht.

Besonders gefährdet sind junge Frauen, die zusätzlich die Antibabypille ein-nehmen. Das Thromboserisiko erhöht sich um ein Vielfaches.

30 % aller Thrombosen bei Patienten im Alter von 20 – 40 Jahren sind auf diese pathologische APC-Resistenz zurückzuführen. Eine ursächliche Therapie gibt es nicht. Lediglich eine Vermeidung durch eine Thromboseprophylaxe mit Heparin-Spritzen ist angezeigt, wenn ein Patient nach einer Operation lange liegt, grippebedingt lange Zeit bettlägerig ist oder eine lange Flugreise unternimmt. Weiß ein Patient von seiner Faktor-V-Leiden-Mutation, kann er sich entspre-chend einrichten und sich im Fall der vorgenannten Umstände das Heparin subcutan spritzen. Damit kann es gelingen, Schlaganfälle, Herzinfarkte und Lungenembolien zu vermeiden. Der Gendefekt wird von den Eltern an Kinder beiderlei Geschlecht weitergegeben.

Leider sind die Arbeitsbedingungen für Ärzte im gesetzlichen Versorgungsbe-reich limitiert. Die große Blutgerinnungsanalyse unterliegt den Richtlinien des Laborbudgets. Dennoch ist jedem niedergelassenen Arzt zu raten, bei jedem Patienten, der in seine Praxis kommt, prinzipiell eine Kurz-Familienanamnese zu machen und nach Durchblutungsstörungen in der blutsverwandten Familie zu fragen. So kann er Risikopatienten herausfiltern und eine sinnvolle Prävention durchführen.

Weitere schulmedizinische Risikofaktoren sind ein erhöhter CRP-Wert. Nach jüngeren schulmedizinischen Erkenntnissen handelt es sich dabei um einen vaskulären Risikofaktor, wenn er erhöht ist.

Ein erhöhter Homocystein-Spiegel gilt ebenfalls als Risiko für Gefäßerkrankun-gen. Homocystein lässt sich durch Gaben von Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12 senken.

Eine detaillierte Analyse der Blutfettsituation ist sinnvoll. Hierzu zählen nicht nur Cholesterin und Triglyceride, sondern auch die Aufsplittung von Cholesterin in HDL- und LDL-Cholesterin.

Ein wichtiger Fettstoffwechselwert, das Lipoprotein A, wird leider oftmals nicht untersucht. Es gibt keine medikamentöse Therapie für erhöhte Lipoprotein-A-Werte. Lediglich eine diätetische Umstellung ist hier anzuraten.

Eine internistische Differentialdiagnostik zur Pathogenese des Schlaganfalls setze ich an dieser Stelle voraus. Hierzu zählt die gesamt Vaskulitis-Diagnostik mit den entsprechenden Antikörpern. Darauf soll hier zunächst nicht weiter ein-gegangen werden.

Laborchemisches aus der othomolekularen Medizin

Es kann durchaus sinnvoll sein, den oxidativen Stress des Patienten zu unter-suchen. Hierzu müssen die antioxidative Kapazität und die Lipidperoxidation un-tersucht werden. Ebenso muss der Spiegel der sogenannten freien Radikalfän-ger oder der sogenannten Antioxidantien bestimmt werden. Hierzu zählen die Spiegel von Vitamin A, Vitamin C, Vitamin E, Selen und Zink.

Wenn ein Patient unter einem erhöhten oxidativen Stress leidet, entstehen mehr freie Radikale, die ihrerseits wieder die Gefäßwände schädigen und einen artheriosklerotischen Prozess mitbedingen.

Anmerkung:
Bei der Bestimmung von Vitamin B12 kann der schulmedizinische Normalbe-reich und der präventivmedizinische Normalbereich gemessen werden. Der präventivmedizinische Optimalbereich liegt höher als der schulmedizinische Normalbereich. Der präventivmedizinische Optimalbereich zielt aber auch auf eine gesunde Prophylaxe von chronischen Erkrankungen, wie Schlaganfälle und Herzinfarkten hin. Das Gleiche gilt für den Folsäurespeicherstatus und für das Co-Enzym C.

4. Ernährungsmedizinisches
Es ist allgemein bekannt, dass zu einer gesunden Ernährung eine Ernährung zählt, die arm an Fetten und reich an Kohlenhydraten mit einem niedrigen Glyxx-Index ist. Hierzu sei auf die Ernährungspyramide der Deutschen Gesell-schaft für Ernährungsmedizin hingewiesen.

Eine gesunde Ernährung allerdings sollte folgende Spurenelemente ausrei-chend enthalten. Ist dies nicht der Fall, sollte dies dann orthomolekular ersetzt werden.

Insgesamt sollten insbesondere gesättigte Fettsäuren vermieden werden. Zu den gesättigten Fettsäuren gehören:

- Myristinsäure
- Palmitinsäure
- Stearinsäure
- Arachinsäure
- Behensäure

Bei erhöhter Myristinsäure im Blut sollten Milchfette, Kokosfette, Palmkernfette und Lachs gemieden werden.

Bei erhöhter Palmitinsäure sollten tierische Fette, wie Rind, Schwein, Geflügel, Hühnerei (vor allem Eigelb), Butter, Margarine, Baumwollsaatöl, Kakaobutter, Palmöl und Maisöl vermieden werden. Erlaubt sind Halbfettmargarine und ma-geres Fleisch.

Bei erhöhter Stearinsäure sollte auf Hammelfleisch, Rinderfett, Schweinefett, Shea-Fett, Butter, Margarine, Kakaobutter und Kürbiskernöl verzichtet werden. Erlaubt ist Kokosfett, das arm an Stearinsäure ist, Halbfettmargarine und mage-res Fleisch.

Die klinische Bedeutung von erhöhtem Arachin- und Behensäurewerten ist ge-ring. Insgesamt sollten mehrfach ungesättigte Fettsäuren zu sich genommen werden und auf gesättigte Fettsäuren sollte weitestgehend verzichtet werden.

In der Summe kann davon ausgegangen werden, dass Schlaganfallpatienten einer individuellen westlichen ernährungsmedizinischen Beratung bedürfen. Oftmals herrschen Co-Morbiditäten, so dass die Schlaganfallpatienten auch an Diabetes mellitus oder an einem Hypertonus erkrankt sind. Eine individuelle er-nährungsmedizinische Beratung ist unabdingbar. Sie richtet sich nach den indi-viduellen Gegebenheiten des Patienten und beachtet alle Risikofaktoren, die bei dem einzelnen Patient nach vorheriger solider laborchemischer Analyse vorliegen.

5. Physiotherapeutisches
Eine solide Schlaganfalltherapie bedarf einer umfassenden physiotherapeuti-schen Behandlung (s. unsere Kollegen, die Physiotherapeuten, Ergotherapeu-ten und Logopäden im Netz).

6. Traditionell Chinesisches
Die traditionelle chinesische Medizin sollte ein wesentlicher Bestandteil in der Rehabilitation von Schlaganfallpatienten sein. Insbesondere chinesische Aku-punkturärzte sowie traditionell chinesische Wissenschaftler aus dem anglo-amerikanischen Sprachraum haben sich mit dem Thema Akupunktur und tradi-tionell chinesische Kräutertherapie von Schlaganfallpatienten intensiv beschäf-tigt. Im Endergebnis steht fest, dass insbesondere die Akupunktur und die Gabe von chinesischen Arzneimitteln zu einer rascheren Besserung des Allgemeinbe-findens, der Mobilität, des Gleichgewichts und des Barthel-Indexes führen und, bei Patienten die akupunktiert worden waren, sogar der Aufenthalt in Pflege-heimen verkürzt werden konnte (s. Studie von Johannsson und Lindgren von 78 Patienten – 38 davon erhielten TCM und schlossen wesentlich besser ab).

Für eine solide traditionell chinesische Diagnostik bedarf es zunächst erst ein-mal einer chinesischen Anamnese. Dies beinhaltet eine eingehende Befragung des Patienten nach den Kriterien der traditionell chinesischen Medizin. Diese Befragung sollte entsprechend der acht Leitkriterien der chinesischen Medizin (Bagang) und den fünf Wandlungsphasen oder Orbes geschehen. Detaillierte Fragen zu allen fünf Wandlungsphasen mit Bezug auf Symptome, bevorzugte klimatische Bedingungen, vegetative Funktionen, bevorzugte Geschmäcker, seelische Befindlichkeiten etc. beinhalten diese große Befragung.

Im Anschluss an die chinesische Befragung sollte eine Zungen- und Pulsdia-gnostik erfolgen. In der chinesischen Medizin wird der Puls an jedem Arm an drei Pulstaststellen gespürt, wobei jede Taststelle wiederum oben, mittig und unten, also in drei Etagen, gespürt wird. Es ergeben sich viele Pulsqualitäten ganz unterschiedlicher Art. Insgesamt werden 33 verschiedene Pulsbilder un-terschieden.

Die Pulstaststellen werden Cun (den Daumen am nächsten), Cuan (mittig) und Chi (am proximalsten) genannt. Jede Taststelle wird oberflächlich, mittig und tief getastet. Die Cun-Taststelle steht für den „oberen Erwärmer“, die Cuan-Taststelle für den „mittleren Erwärmer“ und die Chi-Taststelle für den „unteren Erwärmer“.

Links sagt die Cun-Taststelle etwas aus über den Zustand des Orbis cardialis; rechts sagt sie etwas aus über den Zustand des Orbis pulmonalis. Die Guan-Taststelle sagt links etwas aus über den Orbis zirpaticus; rechts sagt sie etwas aus über den Orbis lienalis und stomachii. Die Chi-Taststelle sagt links etwas aus über den Ying-Aspekt des Orbis renalis; rechts sagt sie etwas aus über den Yan-Aspekt des Orbis renalis.

Der Puls wird mit dem Zeigefinger, dem Mittelfinger und dem Ringfinger getas-tet. Alle drei Finger müssen in der selben Ebene liegen. Die Taststelle der Fin-ger liegt in der Fingerspitze - dem „Auge“ des Fingers. Nach chinesischer Vor-stellung können nur diese fühlenden „Augen“ auch die Änderung des Pulses spüren.

Der Untersucher ertastet mit der selben Hand – entweder der rechten oder der linken Hand – die Pulse am linken und rechten Handgelenk des Patienten. Zu-erst sucht der Mittelfinger die Cuan-Pulsstelle, also links den Orbis zirpaticus und rechts den Orbis lienalis und stomachii, danach den Zeigefinger auf die Cun-Position und den Ringfinger auf die Chi-Position.

Die Tastmethode wird Ju an-Methode genannt (Ju = heben; an = drücken). Das bedeutet, dass mit einem vorsichtigen geänderten Druck an allen drei Stellen getastet wird. Die tastenden Finger über an der Pulstaststelle einen leichten, mittleren und stärkeren Druck aus, um den oberflächlichen, mittleren und tiefen Puls spüren zu können. Hierbei kann bereits unterschieden werden, ob der Pulsschlag bei leichtem Druck kräftig oder schwach und ob er nur bei starkem Druck zu spüren ist (3 Ebenen fühlen = san wo).

Danach wird mit dem Zeigefinger an der Cuan-Pulsstelle und mit dem Ringfin-ger an der Chi-Pulsstelle getastet. Drei Finger tasten zum Schluss erneut in al-len drei Ebenen, d.h. es wird 3 x 3 = 9 x getastet (jiu hou).

Anschließend wird die Zungendiagnose vorgenommen. Jeder Orbis hat seinen eigenen Bereich auf der Zungenoberfläche und auf dem Zungenkörper. Der Or-bis pulmonalis und der Orbis cardialis liegen an der Zungenspitze. Der Orbis lienalis und der Orbis stomachii liegen im mittleren Bereich der Zunge und der Orbis renalis und der Orbis verticalis liegen an der Zungenwurzel. Der Bereich des Orbis hepaticus und des Orbis feleus ist am Zungenrand repräsentiert.

Prinzipiell werden der Zungenkörper und der Zungenbelag beurteilt. Der weiße Zungenbelag wird differenziert in

weißen dünnen glatten
weißen dünnen feuchten
weißen dünnen schmierigen
weißen dicken schmieren und
weißen dicken Belag.

Der gelbe Zungenbelag wird differenziert in

gelben dünnlichen glatt-feuchten
gelben dünnen trockenen
gelben schmierigen feuchten
gelben dicken trockenen mit Stacheln und
dunkel-gelben trockenen und rissigen Belag

Der graue Zungenbelag wird differenziert in

grau-braun
grau-schwarz-trocken
grau-feucht-glatt und
grau-dick-schmierig

Der schwarze Zungenbelag wird differenziert in

schwarzen trockenen
schwarzen sehr trockenen und
schwarzen feuchten schmierigen Belag.

Die Zunge kann auch hell aussehen und blass,

hell blass und feucht
hell blass und trocken

Weiterhin wird unterschieden zwischen einer hellroten Farbe, einer roten tro-ckenen Zunge und einer roten Zunge mit Stacheln.

Eine rote Zunge kann Furchen haben.
Eine rote Zunge kann rote Punkte haben.
Eine rote Zunge kann ein paar schwarze Punkte haben.
Eine rote Zunge kann weiße Punkte haben.

Tiefrote Zungen können gelbe und weiße Punkte haben.
Tiefrote Zungen können rote Punkte haben.
Tiefrote Zungen können wie eine Spiegelzunge aussehen.
Tiefrote Zungen können einen schmierigen Belag haben.
Tiefrote Zungen können einen trockenen Belag haben.
Tiefrote Zungen können einen frischen roten bis tiefroten Farbton haben.

Der Zungenkörper wird danach untersucht, ob er geschwollen, atrophisch, rissig ist oder Zahneindrücke hat. Die Zunge kann hart und trocken, zart und feucht, hart und steif, atrophisch und weich sein.

Im Anschluss an die Anamnese, die Zungen- und Pulsdiagnose wird selbstver-ständlich der Patient insgesamt noch einmal betrachtet. Danach wird die chine-sische Syndrom-Diagnose gestellt. Erst nach Vorliegen der chinesischen Syn-drom-Diagnose darf behandelt werden.

Nach chinesischer Vorstellung gehören Schlaganfallerkrankungen zu den Ven-tus-Erkrankungen. Ventus blockiert die Leitbahnen nachdem er von der Extima in die Intima eingedrungen ist. In der chinesischen Fachliteratur spricht man von einer Vento percussio (getroffen werden vom Ventus). Chinesische Syndrom-Diagnosen, die bei Schlaganfallpatienten häufig vorkommen, sind Stasen des Xue, d.h. es kommt zur Stagnation der Säfte und damit zur Unterversorgung gewisser Gefäßareale. Man kann sich dies auch so vorstellen, als ob eine einzige Autobahn zu einer Insel durch einen Unfall einen Stau hat und somit durch den Autostau die Versorgung der Insel ausfällt.

Neben den Xue-Stasen und dem Ventus spielt außerdem Pituita (Schleimerkrankungen) bei chronischen Schlaganfällen immer eine Rolle. Pituita verlegt die Leitbahnen. Voraussetzung hierfür ist oftmals eine sogenannte Depletio des Qi. Als Behandlungsstrategien sollte also

das Mitten-Qi gekräftigt werden

die Leitbahnen durchgängig gemacht werden

die Stase des Xue behoben werden

die Stase des Qi behoben werden

das Xue animiert werden

das depletive Mitten-Chi gestärkt werden

der Ventus eliminiert werden.

Als weitere große Säule in der chinesischen Medizin ist die chinesische Arznei-mitteltherapie zu nennen. Es gibt eine Fülle von alten klassischen Rezepten, die z.T. bis zu 2.500 Jahre alt sind. Diese Rezepte kommen dann in der Therapie des Schlaganfalls zur Anwendung. Die chinesischen Kräuter werden nach den Kriterien der Syndrom-Diagnosen eingesetzt.

Die chinesische Diätetik spielt eine große Rolle in der chinesischen Therapie. Nach Vorliegen der chinesischen Diagnose werden individuelle chinesische Diätpläne erstellt.

Prinzipielle Bedingungen bei der chinesischen Behandlung
Der Patient sollte prinzipiell nur in liegender Position akupunktiert werden. Er muss immer Kontakt zum medizinischen Fachpersonal haben und sich jederzeit über eine Klingel bemerkbar machen können. Er sollte bequem und möglichst in einer Einzelkabine liegen. Er sollte mit einer nicht zu schweren Decke bedeckt werden, um nicht auszukühlen und vor Beginn der Akupunktur selbstverständ-lich sehr gut gelagert werden. In der Regel bedarf es 10 – 15 Akupunktursitzungen, die mit einer Frequenz von 2x pro Woche durchgeführt werden sollten.

7. Präventives
Zur Gesundheitsprävention beim Schlaganfall gehören

1. ein gesundes Stressmanagement
2. regelmäßige Bewegung
3. eine gesunde Ernährung
4. eine orthomolekulare Substitutionstherapie (bei Bedarf)
5. regelmäßige Laborkontrollen der einschlägigen, oben erwähnten Werte
6. regelmäßige Untersuchung der Hirndurchblutungsfunktionen

Selbstverständlich kann man auch die traditionelle_chinesische_Medizin in der Prävention von Erkrankungen einsetzen. Menschen, die prinzipiell zu Stasen des Xue neigen oder offen für Ventus-Erkrankungen sind, können sich schon im gesunden Zustand einer chinesischen Akupunktur- und Kräuterbehandlung (s. Kräuterheilkunde)unterziehen um regelmäßig Ventus zu eliminieren, die Stasen wieder zu lösen und das Mitten-Qi zu stärken.

Summasummarum erfordert ein ganzheitliches Schlaganfallmanagement die Therapie aus

- neurologischer
- psychosomatischer
- ernährungsmedizinischer
- orthomolekularer
- physiotherapeutischer
- ergotherapeutischer
- logotherapeutischer und
- traditionell chinesischer

Sicht.

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In der Mediathek finden Sie verschiedene Videos und Interviews mit und von Frau Dr. med. Angela Stahl.

Dr. Angela Stahl zu Monica Lierhaus