Dr. med. Angela Stahl - Praxis für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie Akkupunktur undTraditionelle Chinesiche Medizin (TCM) in Norderstedt bei Hamburg

TCM Arzneimitteltherapie

Die traditionelle chinesische Arzneimitteltherapie stellt eine der Grundsäulen der chinesischen Therapiemöglichkeiten neben Qi Gong, Tuina, Akupunktur und chinesischer Diätetik dar. In Europa ist sie noch weitgehend unbekannt, während sie in China ungefähr 80% aller therapeutischen Maßnahmen ausmacht.

Im Wesentlichen handelt es sich um pflanzliche Produkte. Letztendlich können alle Bestandteile einer Pflanze für eine chinesische Rezeptur verwendet werden. Im Folgenden seien die Begrifflichkeiten, wie sie oftmals auf chinesischen Rezepten stehen, kurz benannt:

  • Herba (Kraut),
  • Radix (Wurzel)
  • Rhizoma (Wurzelstock)
  • Ramus (Zweig)
  • Ramulus (Zweiglein)
  • Semen (Samen)
  • Cortex (Rinde)
  • Flos (Blüte)
  • Fruktus (Frucht)

Eine zweite große Gruppe in der chinesischen Arzneimitteltherapie stellt die der mineralischen Substanzen dar. Dabei handelt es sich z.B. um Austernmuschelschalen, Mineralien, Gips etc.

Die dritte Gruppe der chinesischen Arzneimittel stellen tierische Arzneien dar, die oftmals in Europa, angesichts des Schutzes von bedrohten Tierarten, glücklicherweise nicht zur Anwendung kommen.

Die chinesische Rezeptur

In einer chinesischen Rezeptur werden verschiedene Einzelkräuter (und davon sind in China ungefähr 5.000 bekannt) in genau abgestimmtem Verhältnis miteinander vermischt.

Die Rezeptur folgt einem hierarchischen Aufbau, so dass es immer ein Arzneimittel gibt, das als Kaiser oder als dominantes oder als wichtigstes gilt und von jeweiligen Ministern in seiner Wirkung unterstützt wird. Darüber hinaus besteht ein Rezept noch aus Hilfs- und Melde-Arzneien.

Die Komposition einer chinesischen Rezeptur ist ein individuelles Geschehen, das auf den individuellen energetischen Zustand, d.h. die individuelle traditionelle chinesische Diagnose des einzelnen Individuums, zugeschliffen ist.

Die Kunst des chinesischen Rezeptierens besteht darin, die klassischen Rezepte für den jeweiligen Patienten und seine chinesische Diagnose so zu modifizieren, dass genau seine Symptome bei seinen Resourcen, seiner Körperabwehr und seiner Allgemeinverfassung ihre optimale Wirkung entfalten können.

Das Erstellen einer Rezeptur erfordert eine hohe Fachkunde sowohl der einzelnen Arnzeimittel wie auch der traditionell chinesischen Rezepturlehre. Oftmals entwickelt eine Pflanzenrezeptur Wirkungsweisen, die man nicht nur auf eine bloße Summe der Wirkweisen der Einzelbestandteile des Rezeptes zurückführen kann.

In einem ausgewogenen chinesischen Rezept wirken die positiven Aspekte der einzelnen Arzneimittel gegenseitig so verstärkt, dass ein optimaler Nutzen für den Patienten entsteht. Durch eine richtige Kombination der Kräuter können auch hemmende Wirkungen auf andere ausgenutzt werden, um in Teilaspekten unerwünschte Nebenwirkungen gering zu halten.

Von unbedingter Wichtigkeit ist die Tatsache, dass der Patient während der Einnahme der chinesischen Arzneimittel Kontakt zu seinem Therapeuten hält.

Die chinesische Arzneimittelrezeptur wurde für den Zustand des Patienten im Hicet nuno (also im Hier und Jetzt) erstellt. Sollte sich das Beschwerdebild des Patienten während der Einnahmetage verändern oder neue Symptome hinzu kommen, erfordert dies eine Neukomposition des Rezeptes und die Kräutermischung muss ergänzt oder bzw. neu abgestimmt werden.

Bei Auftreten eines grippalen Infektes, der z. B. einer Wind-Hitze- oder einer Wind-Kälte-Erkrankung entsprechen kann, sollte die Rezeptur abgesetzt werden. Sonst kann es sogar zu unangenehmen Verschlimmerungen kommen.

Darreichungsformen chinesischer Arzneimittel

1. Dekokt (Tang):

Das Dekokt gilt als die Hauptanwendungsform chinesischer Arzneimittel. Die Kräuter werden im Original verwendet und in einem bestimmten Procedere abgekocht.

Es versteht sich von allein, dass lang zu kochende Arzneimittel zuerst, am kürzesten zu kochende Arzneimittel, wie die Blüten, zuletzt zum kochenden Sud hinzu gegeben werden.

2. Granulat (San):

Ein besonderer Vorteil des Granulates oder Pulvers - San - ist die einfache Handhabung für den Patienten, vor allem für Patienten, die einem häufigen Ortswechel ausgesetzt sind.

Die Praktikabilität ist einfach: Ein kleines Löffelchen voller Granulat wird mit heißem Wasser übergossen und als "Tee" getrunken.

3. Weitere Darreichungsformen:

Weitere Applikationsformen sind die Pille "Wan" und der Arzneitrunk bzw. die Tropfen.

Um kostengünstig zu arbeiten und die Handhabbarkeit bzw. Integrationsmöglichkeit in den Alltag zu gewähren, bin ich dazu über gegangen, Granulate zu verordnen und bevorzuge selbst die Granulate.

Acht therapeutische Verfahren

Der gesamte Arzneimittelschatz wurde im alten China nach den arzttherapeutischen Verfahren geordnet. Dies stellt eine sinnvolle Fortsetzung der bekannten "Acht Leitkriterien" (Bang) dar, die in der chinesischen Diagnostik eine große Rolle spielen.

Prozesse wie Kühlung oder Erwärmung, energetische Ergänzung oder Ableitung von Energie, ein Einwirken auf die Oberfläche oder das Erzielen von Schweiß und ähnliches, sind von Bedeutung.

Im Folgenden seien die acht therapeutischen Verfahren zusammengefasst:

1. Sudatio (die Empfehlung von Schweiß)
2. Vomitio expectoratio - das "therapeutische Auswerfen"
3. Purgatio (Abführen)
4. Compositio (Harmonisierung)
5. Tepefactio (die vorsichtige Erwärmung)
6. Refregeratio (die Kühlung)
7. Supletio (die energetische Ergänzung)
8. Dispulsio (die Ableitung von Energie)

Qualifikation von chinesischen Arzneimitteln:


Die chinesischen Arzneimittel werden nach 4 Grundeigenschaften qualifiziert:

1. Ihr Temperaturverhalten
2. Hauptgeschmacksrichtung
3. Funktionskreisbezug
4. Wirkrichtung

1. Das Temperaturverhalten:

Das Temperaturverhalten eines chinesischen Arzneimittels beschreibt seine wärmende oder kühlende Eigenschaft und nimmt Bezug zu seiner Dynamik. Die einzelnen Temperaturqualitäten lassen sich auf einer Achse darstellen, die von sehr kalt - über kalt - über kühl - über neutral - über warm - bis über heiß, eingeteilt werden kann.

2. Die Geschmackrichtung:

Als 2. Eigenschaft ist jedem chinesischem Arzneimittel eine bestimmte Geschmacksrichtung eigen. Damit ist nicht nur die rein sinnliche Erfahrung unseres oralen Aufnehmens gemeint, sondern mit den Geschmacksrichtungen Scharfes, Süßes, Saures, Bitteres und Salziges lassen sich eindeutige Bezüge zu den 5 Wandlungsphasen darstellen:

  • Wandlungsphase Lunge entspricht Metall entspricht scharfer Geschmacksrichtung
  • Wandlungsphase Milz entspricht Element Erde entspricht süßer Geschmacksrichtung
  • Wandlungsphase Leber entspricht Element Holz entspricht saurer Geschmacksrichtung
  • Wandlungsphase Herz entspricht Element Feuer entspricht bitterer Geschmacksrichtung
  • Wandlungsphase Niere entspricht Element Wasser entspricht salziger Geschmacksrichtung.

Auch in unserem Alltag nehmen wir Scharfes als etwas wahr, was die Schweiße nach außen treibt, aktive Energie entfaltet und uns nach außen öffnet. Das öffnende der Oberfläche entspricht der Wirkung des Scharfem im Funktionsbereich Lunge.

Süße Speisen hingegen wirken ausgleichend und harmonisierend, nicht umsonst werden oftmals schreiende kleine Kinder mit Süßem abgespeist.

Das Saure zieht zusammen. Das zusammenziehende hat einen eindeutigen Bezug zum Funktionsbereich der Leber, das kennen wir aus unserem Alltag: wer schon einmal eine Nacht "durchzecht" hat, freut sich am Morgen über etwas Saures, denn das Saure führt zu einer Sammlung und Stärkung im Bereich des Funktionsbereiches Leber.

Bitteres wirkt trocknend, Salziges erweicht. Das Salzige wirkt im Gegensatz zu dem am meisten nach außen wirkenden Scharfen am meisten im Inneren. Entsprechend können sämtliche Geschmacksrichtungen ebenfalls auf einer Achse angebracht werden, wobei dann die Wirkrichtung von innen nach außen angegeben ist.

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In der Mediathek finden Sie verschiedene Videos und Interviews mit und von Frau Dr. med. Angela Stahl.

Dr. Angela Stahl zu Monica Lierhaus