Dr. med. Angela Stahl - Praxis für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie Akkupunktur undTraditionelle Chinesiche Medizin (TCM) in Norderstedt bei Hamburg

Glossar

Tinnitus

Etwa 5 – 6 % der Erwachsenen klagen über einen quälenden Tinnitus. Diese Ohrgeräusche bedürfen zunächst einer soliden medizinischen Abklärung.

Tinnitus kann ein Stresssymptom sein. Er kann jedoch auch Ausdruck einer schweren Erkrankung des Gehirnes, wie eines Kleinhirnbrückenwinkeltumors, einer Hirnentzündung, einer Gefässmissbildung, eines andersartigen Tumores oder einer Durchblutungsstörung sein.

Vor jeder Tinnitustherapie sollte eine solide neurologische Diagnosestellung einschließlich der neurologischen Untersuchung der evozierten Potenziale (vgl. Evozierte Potenziale), der direktionellen Dopplersonografie und des EEGs erfolgen.

Wenn keine neurologische Ursache gefunden wird und auch die Abklärung aus den benachbarten Facharztbereichen keinen Hinweis für eine chronische organische Ursache des Tinnitus bietet, sind eine Fülle von psychiatrischen und psychotherapeutischen Massnahmen notwendig, um die sekundäre Entwicklung von so genannten depressiven Anpassungsstörungen zu vermeiden.

Die Therapie des chronischen, nicht organischen Tinnitussyndromes besteht nach vorheriger schulmedizinischer Abklärung in einer Integration von schulmedizinischen Methoden, naturheilkundlichen Erkenntnissen und beruht oftmals auf den Erfahrungen der traditionellen chinesischen Medizin.

Jeder Tinnitus-Patient ist individuell zu diagnostizieren und zu behandeln.

Unsere Praxis arbeitet mit führenden Tinnituspsychotherapeuten zusammen. Darüber hinaus sind moderne Entspannungsverfahren, Bio-Feedbackverfahren, tiefenpsychologisch und verhaltenstherapeutische Psychotherapien, Akupunkturverfahren und individuelles Stressmanagement genauso indiziert wie schulmedizinische Behandlungsmethoden.

Tinnitus: Diagnostik und Therapie

Definition:
Per Definition handelt es sich beim Tinnitus um ein mehr oder weniger dauerhaft vorhandenes, entweder in einem Ohr lokalisiertes oder aber diffus im Kopf empfundenes Geräusch.

Tinnitus-Formen:
Wir unterscheiden einen objektiven und einen subjektiven Tinnitus.

1. Nur der objektive Tinnitus kann vom Untersucher mit dem Stethoskop, z.B. über den äußeren Gehörgang gehört werden. Hier unterscheiden wir folgende Geräuschformen:

a) Ein blasendes Geräusch bei der Inspiration und Expiration (d.h. Einatmung und Ausatmung), das oftmals auf eine abnorm weite Tuba auditiva Eustachii bei Zustand nach erheblichem Gewichtsverlust zurückzuführen ist.

b) Eine Serie scharfer Klicks, die auf titanische Kontraktionen, d. h. Myoklonien des weichen Gaumens, die auch vom Untersucher beobachtet werden können, zurückzuführen sind. Diese Myoklonien haben oftmals ihre neurologische Ursache in zentralen Strukturen wie dem sog. Nucleus ruber, der unteren Olive und dem Nucleus dentatus (Neuronenverbände im Gehirn).

c) Ein pulssynchrones Geräusch, das insbesondere aus der Sicht der Neurologen sehr wichtig ist und auf vaskuläre Missbildungen, d.h. Gefäßmissbildungen im Gehirn, im Kopf- und Halsbereich zurückzuführen ist, wie Aneurysmen, Malformationen, vaskuläre Tumoren, Durafisteln, Carotis Stenosen im Syphon.

d) Ein kontinuierliches Rauschen, z.B. bei einem vergrößertem Bulbus Jugularis (Gefäßstruktur).

2. Der subjektive Tinnitus kommt bei Erkrankungen wie dem Morbus Meniere (Erkrankungen, die zusätzlich mit heftigen Drehschwindelattacken und Hörstörungen einhergehen) vor, außerdem

  • bei akutem Hörsturz
  • bei Otosklerose
  • bei Zuständen nach Schädelhirntrauma
  • nach Lärmtraumata
  • bei Akustikusneurinom
  • bei Zustand nach Einnahme von ototoxischen Medikamenten
  • bei psychischen Problemen.

Täglich frequentieren viele Patienten meine Praxis mit der Bitte um diagnostische Abklärung eines quälenden Tinnitus. Zum Teil sind diese Patienten schon an depressiven Anpassungsstörungen mit einer Beeinträchtigung ihres Schlafes erkrankt und ein kleinerer Prozentsatz zeigt sogar schon selbstmordgefährdende (suizidale) Symptome, da dieser Tinnitus so quälend ist.

Oftmals findet sich der Tinnitus auch als Symptom bei sog. posttraumatischen Belastungsstörungen nach schweren Traumaerfahrungen in der Kindheit oder Jugend (Zustand nach körperlicher, sexueller und emotionaler Gewalt).

Die Tinnitusdiagnostik in meinem Fachgebiet bezieht sich auf

  • die neurologische Diagnostik von Tinnituserkrankungen
  • die psychiatrische Diagnostik von Tinnituserkrankungen
  • die Diagnosestellung nach den Prinzipien der Traditionell Chinesischen Medizin.

Meine therapeutischen Möglichkeiten umfassen

  • die Therapieprinzipien nach neurologischen Gesichtspunkten
  • die Therapieprinzipien nach psychiatrischen Gesichtspunkten
  • die Therapieprinzipien nach den Kriterien der Naturheilverfahren

1. Neurologische Diagnostik:

Zu einer soliden neurologischen Diagnose zählt vor allem eine detaillierte anamnestische Befragung des Patienten und eine solide neurologische Untersuchung. Auch hier bewährt sich die ganzheitliche Denkweise über die Stabilität, bestehend aus Schulmedizin, Psychotherapie und energetischer Medizin, wie sie sich in meinem gleichseitigem Logo-Dreieck darstellt.

Für den Neurologen ist insbesondere von Interesse, ob der Tinnitus mit anderen neurologischen Symptomen assoziiert ist oder aber als solitäres, d.h. einzelnes Symptom aufzufassen ist.

Treten zusätzlich Symptome wie Kribbelparästhesien im Trigeminusbereich, periphere Fazialislähmungen, homolaterale ataktische Störungen, Reflexausfälle und spastische Symptome auf, sollten unsere Alarmlampen leuchten. Bei der neurologischen Untersuchung ist vor allem auf eine detaillierte Untersuchung der Hirnnerven, insbesondere des den Nervus Statoacusticus benachbarten Hirnnerven zu denken.

Der Nervus Trigeminus versorgt den Kornealreflex, der z.B. bei dem Acusticusneurinom als Frühsymptom abgeschwächt werden kann. Eine sorgfältige Untersuchung des Nervus Trigeminus schließt eine Untersuchung der Oberflächensensibilität in allen Trigeminusästen, aber auch eine Untersuchung der Kräftigkeit der Kaumuskulatur unbedingt ein.

Auch sämtliche periphere Fazialislähmungen sollten sorgfältig untersucht werden. Hierzu zählen auch das beidseitige Heben der Augenbrauen und das Stirnrunzeln, das Aufblasen der Wangen und das Pfeifen können.

Beim Auftreten von dramatischeren neurologischen Symptomen, wie hemiataktische und spastische Symptome (Koordinations- und Muskelanspannungssymptome) oder aber auch bei Reflexdifferenzen sind sofort bildgebende Verfahren einzuleiten.

Tinnitus gilt vor allem als Frühsymptom für das Acusticusneurinom, einem eigentlich gutartigem Hirntumor. Hier helfen uns rasch die akustisch-evozierten Potenziale. Bei unauffälligen akustischen Potenzialen ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Patient an einem Acusticusneurinom erkrankt ist, sehr gering.

Für den interessierten Leser seien noch einmal die komplizierten anatomischen Grundlagen der Hörbahnen dargestellt:

Die Erregungen werden von den cochleären Haarzellen aufgenommen und dann über die Hörnerven zum cochleären Kernkomplex der Medulla oblongata weitergeleitet. Die aufsteigende Hörbahn ist mit in mehreren Höhen kreuzenden, zum Teil vertikal-parallelen Bahnen im Hirnstammkomplex verschaltet. Eine nächste wesentliche Station bildet die Brückenhaube mit dem Corpus Trapezoideum, dem oberen Olivenkomplex und der sog. lateralen Schleife (lemniscus lateralis). Die Erregungen werden dann weitergeleitet in die unteren vier Hügel (Colliculi inferiores), die dann zum Zwischenhirn und zum Corpus geniculatum mediale weitergeleitet werden. Von dort verläuft die Hörstrahlung zu den Heschelschen Querwindungen im Schläfenlappen.

Bei den akustisch-evozierten Potenzialen erfassen wir insgesamt fünf Wellen, die innerhalb von sechs Millisekunden ablaufen sollen.

Tinnitus gilt als führendes Initialsymptom beim Acusticusneurinom.
Ein Acusticusneurinom kann auch die Symptomatik eines Hörsturzes vortäuschen und zwar in einem zeitlichen Stadium, in dem der Tumor zu einer kritischen Kompression der Arteria auditiva führt.

Weitere neurologische Ursachen für Tinnitus:

  • andere intrakranielle Tumoren, wie Meningeome, Dermoide, Arachnoidalzysten, Kleinhirnastrozytome
  • Karzinose der Meningen
  • eitrige Meningitis
  • Knochenprozesse und Knochentumoren wie dem Morbus Paget
  • Knochentumoren oder Knochenmetastasen in der Schädelbasis
  • Glomus jugulare Tumor
  • genetisch bedingte Stoffwechselanomalien, wie die Refsum-Krankheit
  • Nieman-Pick-Krankheit
  • verschiedene Infektionskrankheiten
  • Multiples Sklerose
  • Morbus Menière
  • medikamentös-toxische nach Gaben von Streptomycin
  • Gentamycin
  • otologische Ursachen
  • Glomus jugulare Tumoren
  • internistische Erkrankungen wie z.B. Anämie
  • kardiologische Erkrankungen (darauf soll hier auf der neurologischen Seite nicht weiter eingegangen werden).

a) Diagnostische Möglichkeiten bei Tinnitus auf neurologischem Gebiet, neurologischer Anamnese und Untersuchung

  • EEG (Elektro-Enzephalografie)
  • Direktionelle und transkranielle Doppler-Sonographie
  • Evozierte Potenziale (VEP,SEP, AEP)
  • Bildgebende Diagnostik

2. Psychiatrische Diagnostik

Wie oben bereits erwähnt, kommt der Tinnitus oftmals auch als funktioneller Tinnitus im Sinne einer Somatisierungsstörung bei schweren seelischen Konflikten, z.B. im Rahmen eines posttraumatischen Belastungssyndroms nach seelischer, körperlicher oder emotioneller Gewalt oder im Rahmen von chronischen Stresserkrankungen vor. Hier ist – nach – umfassender neurologischer Abklärung und Ausschluss einer organischen Erkrankung eine Selbstmanagementtherapie durch einen erfahrenen Verhaltensthera-
peuten und Hypnotherapeuten gefragt.

Hier gibt es hervorragende Psychotherapeuten, die sich insbesondere auf die Therapie des Tinnitus spezialisiert haben, wie z.B. Herr Dr. Axel Schildt.
In unserem Qualitätszirkel „Ganzheitliches Gesundheitsmanagement“ haben wir gemeinsame Therapiestrategien zum Tinnitus erarbeitet. Herr Dr. Schildt hat maßgeblich im Bereich des Tinnitus geforscht und auch den Förderpreis „Erster wissenschaftlicher Förderpreis der deutschen Tinnitus-Liga 2004“ erhalten.

3. Diagnose und Therapie nach den Prinzipien der Traditionell Chinesischen Medizin

In der traditionell chinesischen Medizin werden verschiedene Erscheinungsformen des Tinnitus unterschieden. So spielen sog. aszendierendes Leber-Yang bis zum aszendierendem Leber-Feuer, sog. Pituita (Schleimerkrankungen), Depletio-xue Erkrankungen (Blutmangelerkrankungen) und renale Ying und Yang Erkrankungen eine Rolle.

Umfassende therapeutische Programme, die auf einer individuellen chinesischen Diagnose fußen, werden erstellt. Hierzu zählen die Prinzipien der chinesischen Diätetik, individuelle Akupunkturprogramme und das Erstellen von chinesischen Arzneimitteldekokten, die die Patienten über sicherlich einen längeren Zeitraum trinken sollten.

Insbesondere die Formen des Tinnitus, die sich auf die sog. repletio-Erkrankungen beziehen, d.h. Fülleerkrankungen, haben eine recht gute Chance auf die traditionell chinesischen therapeutischen Maßnahmen anzusprechen.

In Kooperation mit psychotherapeutischen Behandlungen und Entspannungsverfahren, Qi Gong und eventuell auch Tuina-Therapien, kann dieses Konzept langfristig, bei kontinuierlicher Anwendung, zum Erfolg führen.

 

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In der Mediathek finden Sie verschiedene Videos und Interviews mit und von Frau Dr. med. Angela Stahl.

Dr. Angela Stahl zu Monica Lierhaus